18. RAP – Programm

Ich will berühmt werden!“ – Narzisstische Balancen in der Medienwelt
18. Rheinische Allgemeine PSYCHOtherapietagung, Samstag, 12.5.2012, Hürth/Köln

Gryphius  mahnte  „Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir unsterblich achten, ist nur ein falscher Wahn.“ Heute, befreit von den Schrecken der Kriege, sehen viele den Ruhm ganz anders: berühmt zu werden, scheint vielen ein sinnstiftendes Lebensziel.  Während Sebastian Brant 1494 die, „die sich berühmen hoher Dinge / und wollen sein, was sie nicht sind, / und wähnen, alle Welt sei blind“, auf sein Narrenschiff lud, scheinen heute die fast nicht mehr normal, die sich nicht vor Kameras und Mikrofonen (ent)äußern.  Im 19. Jahrhundert versuchte man, den Ruhm mit der Ehre zu bändigen; Ruhm suchen wir weiter, Ehre scheint ein Fremdwort geworden zu sein.

Wir tragen den Marktplatz der Eitelkeiten in unseren Taschen und schalten ihn zuhause gerne ein, um zu schauen, wer das Interesse der Medien gefunden hat.

Um die Stufen des Ruhms zu erklimmen, reichen einige Freunde in der cyberworld nicht.  Man hat mich gesehen, also gibt es mich. Es reicht nicht, wenn die Mutter sich über mein Produkt freut, die Welt soll sich freuen!

Die Erfindung des Narzissmus hat der Einmaligkeit des Einzelnen die Notwendigkeit der uniformen Anerkennung durch die Großgruppe gegenübergestellt und den Glauben gefördert, der Einzelne dürfe sich nicht zu sehr im Spiegel betrachten, auch wenn er den Glanz im Auge der Mutter in sich trägt. Die Hoffnung, die Anerkennung durch viele könne die eigene Ablehnung übertönen, erweist sich jedoch meist als trügerisch, auch wenn man diesem Ziel seinen Lebensplan untergeordnet hat.

Das bittere Schicksal Ruhmessüchtiger scheint nicht abzuschrecken: ausgebrannte Manager, suizidale Sportler (Enke) und drogenverlorene Künstler (Jackson, Spears, Winehouse) scheinen uns unsterblich.

Die Befriedigung des Kampfes um Anerkennung (Honneth) mit Liebe, Recht und Solidarität reicht vielen nicht. Eltern nutzen den kindlichen Spiel- und Zeigetrieb, um ihnen früh auf der Bühne des „Supertalents“ den Geschmack des Ruhms anzugewöhnen. Risiken des Ruhms für Leib und Seele werden bis zur Nichtigkeit relativiert. Gegenüber der Gier zum Medium, zum zwischenmenschlichen Schein-Kontakt, in aktiver und passiver Form, knickt die Vernunft ein. Sie erhält die Rolle des „Spielverderbers“, der einem den Höhenflug zur Sonne nicht gönnt, nur weil die Flügel schmelzen könnten und ich den Absturz nicht unbeschadet überleben könnte.

In aller Bescheidenheit laden wir Sie zu einem Tag rühmlichen Gedenkens mit leckeren Reden und Speisen sowie erlebnisreichen Workshops und Lobbykontakten ein.

Ihre gap-ev.:  Dr. J. Junglas, G. von Müller, Dr. Dr. R. Arndt, R. Schwarz, Dr. Dr. B. Wegener

ZEITRASTER

Samstag, den 12.5.2012 (Änderungen vorbehalten).

Tagungsleitung: Dr.med. Jürgen Junglas, Diplom-Psychologe

09:30 h Dr.med. Gereon Höflich, Hürth:Narzisstische Persönlichkeitsstörung aus psychiatrischer Sicht
10:00 h Dr.med. Bertram von der Stein, Köln:Knapp vorbei ist auch daneben oder die Kunst nicht berühmt worden zu sein ohne Suizid
10:20 h Reiner Schwarz, Köln:Psychologie des Ruhms
10:40 h Anne M. Lang, Bonn:Hypnosystemische Herangehensweisen an narzisstische Zeitgeist-Phänomene

Kaffee, Erfrischungen

Workshops 11:15 h bis 12:45 h

WS 1

Reiner Schwarz, Köln:Ruhmessüchtige in der Psychotherapie

WS 2

Bertram von der Stein, Köln:Analytische Gruppenpsychotherapie mit narzisstisch gestörten älteren Patienten

WS3

Anne M. Lang, Bonn:Hypnosystemische Herangehensweisen an narzisstische Zeitgeist-Phänomene

WS4

Petra Jagow, Gerhild von Müller, Köln:Casting für psychologische ExpertInnen und ModeratorInnen

MITTAGSPAUSE MIT KÖSTLICHEM ESSEN

Workshops 13:45 h bis 15:15 h

WS5

Dr. Dr. Reinhardt Arndt, Hürth:Welchen Einfluss kann eine Sendung wie „Germany`s Next Topmodel“ auf die Identitätsentwicklung junger Mädchen haben?

WS6

Dr. Dr. Bernhard Wegener, Berlin:Ruhm und Kritik

WS7

Petra Jagow, Gerhild von Müller, Köln:Casting für psychologische ExpertInnen und ModeratorInnen

Kaffee, Erfrischungen

15:30 h Elaine de Guzman, Hürth:Die junge Persönlichkeit in der Casting-Show
16:00 h Gabriele Klaes-Rauch, Köln:TV-Coaching – Heilung oder Missbrauch narzisstischer Wunden? Über Diskriminierung vor unser aller Augen per Zuschauerfernsehen.
17:00 h Gerhild von Müller u.a. (fishbowl):Wie viel Ruhm braucht der gemeine Psychotherapeut? Kollegialer Austausch zum Umgang mit unseren eigenen narzistischen Persönlichkeitsanteilen (fishbowl)

18:00 Uhr Mitgliederversammlung gap-ev.

Beiträge:

Dr. Dr. Reinhard Arndt, Hürth:  Welchen Einfluss kann eine Sendung wie „Germany`s Next Topmodel“ auf die Identitätsentwicklung  junger Mädchen haben? (Workshop)

Elaine de Guzman, Hürth:  Die junge Persönlichkeit in der Casting-Show (Vortrag)

Dr.med. Gereon Höflich, Hürth:  Narzisstische Persönlichkeitsstörung aus psychiatrischer Sicht (Vortrag)

Petra Jagow und Gerhild von Müller, Köln:  Casting für psychologische ExpertInnen und ModeratorInnen (Workshop)

Gabriele Klaes-Rauch, Köln:  TV-Coaching  –  Heilung oder Missbrauch narzisstischer Wunden? Über Diskriminierung vor unser aller Augen per Zuschauerfernsehen (Vortrag)

Anne M. Lang, Bonn: Hypnosystemische Herangehensweise an narzisstische Zeitgeist-Phänomene (Vortrag)

Anne M. Lang, Bonn:  Hypnosystemische Herangehensweise an narzisstische Zeitgeist-Phänomene (Workshop)

Reiner Schwarz, Köln:  Psychologie des Ruhms (Vortrag)

Reiner Schwarz, Köln:  Ruhmessüchtige in der Psychotherapie (Workshop)

Dr.med. Bertram von der Stein, Köln:  Knapp vorbei ist auch daneben oder die Kunst nicht berühmt worden zu sein ohne Suizid (Vortrag)

Dr.med. Bertram von der Stein, Köln:  Analytische Gruppenpsychotherapie mit narzisstisch gestörten älteren Patienten (Workshop)

Dipl. Psych. Gerhild von Müller, Köln:  Wie viel Ruhm braucht der gemeine Psychotherapeut? Kollegialer Austausch zum Umgang mit unseren eigenen narzistischen Persönlichkeitsanteilen (fishbowl)

Dr. Dr. Bernhard Wegener, Berlin:  Ruhm und Kritik (Workshop)

Verbindliche Anmeldung

Dr. Dr. Reinhard Arndt, Hürth:
Welchen Einfluss kann eine Sendung wie „Germany`s Next Topmodel“ auf die Identitätsentwicklung  junger Mädchen haben? (Workshop)

Im Aufnahmegespräch berichtete mir eine anorektische Patientin von ihrem großen Wunsch nach Teilnahme an der Sendung „Germany`s Next Topmodel“. Von Heidi Klum wissen wir, dass sie schon Teilnehmerinnen mit einem BMI von unter 17 in aller Öffentlichkeit als zu fett bezeichnet hat. Die therapeutische Modifikation des Körperschemas ist bei solch ungünstigen Sendeinhalten erschwert. An einem Fallbeispiel wird der komplikationsreiche therapeutische Prozess bei dieser anorektischen Patientin aufgezeigt. Es soll in diesem Workshop aber auch ausreichend Raum und Zeit gegeben werden, um ähnliche Erfahrungen mit den KollegInnen zu diskutieren.

Profil: Leitender Arzt in der Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Somnia-Klinik Hürth

Elaine de Guzman, Hürth:
Die junge Persönlichkeit in der Casting-Show (Vortrag)

Deutschland sucht den Superstar (DSDS), X-Factor, The Voice of Germany, Unser Star für Baku…

Casting-Shows erzielen vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren große Beliebtheit. Diese lebensnah konstruierten, sogenannten Reality-TV-Shows bieten auf der Zuschauer-Ebene Kommunikationsmöglichkeiten zur Interaktion mit anderen. Die Sendungen liefern Material für verschiedene Diskurse, und sie bieten dem Zuschauenden mögliche Identifikationsräume. Die Zuschauer und Zuschauerinnen können über das Gesehene lachen, mit den Kandidaten und Kandidatinnen mitfiebern und sich mit ihnen identifizieren.

Auf der anderen Seite vermitteln Casting-Shows besonders dieser Altersgruppe das Gefühl, dass jeder die Chance hat, entdeckt und berühmt zu werden. Man erhält die Möglichkeit, vor einem Millionen-Publikum im Saal als auch an den Bildschirmen zuhause aufzutreten, egal wie talentfrei man sein mag. Wie persönlichkeitsbildend ist solch eine Zurschaustellung, kann wirklich jeder berühmt (oder berüchtigt) sein… wenigstens für 150 Sekunden? Welche Persönlichkeitsmerkmale sind besonders hervorstechend… wirklich narzisstische oder doch antisoziale?

Anhand von Video-Beispielen wird dem Phänomen der Casting-Shows ein wenig auf die Pelle gerückt und gestaunt, bewundert und entsetzt!

Profil: Oberärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Somnia-Privatklinik Köln-Hürth, Dozentin Arbeitskreis bikup, Internationale Gesellschaft für Bildung, Kultur und Partizipation

Dr.med. Gereon Höflich, Hürth:
Narzisstische Persönlichkeitsstörung aus psychiatrischer Sicht (Vortrag)

Es wird die historische Entwicklung der Persönlichkeitsstörung dargestellt, insbesondere bezugnehmend zum Narzissmusbegriff bzw. zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS). Weiterhin wird die Stellung der NPS in den internationalen Klassifikationssystemen erläutert, das multifaktorielle Bindungsgefüge referiert sowie auf Behandlungsoptionen eingegangen werden im Hinblick auf die heutige gesellschaftliche Realität.

Profil: Leitender Arzt der Privatklinik Somnia Hürth

Petra Jagow und Gerhild von Müller, Köln:
Casting für psychologische ExpertInnen und ModeratorInnen (Workshop)

Falls Sie auch als Psychologe/in oder PsychotherapeutIn ‚berühmt‘ werden möchten, müssen Sie sympathisch und kompetent auf Zuschauer wirken. Nur so überzeugen Sie und erhöhen Ihre Chancen auf Beiträge oder sogar eine eigene Sendung.

Testen Sie Ihr Potential vor der Kamera in unserem Workshop und erfahren Sie, wie Sie „gut rüberkommen“. Wir zeichnen Ihre Statements auf und vermitteln Ihnen Tipps, Tricks und Kniffe für überzeugende und gewinnende Medienpräsenz.

Profile:

Dipl.-Psych./Wirtschaftspsychologin Petra Jagow COACHing & BRANDing (www.petra-jagow.de) Psychologische Expertin in Printmedien, Hörfunk und TV seit 1993; Formatberatung und -entwicklung, Moderation eigener Sendung in 2004/2005, media coaching für Politiker, Unternehmer sowie Kameratraining für Imagefilme

Dipl.-Psych./Psychotherapeutin Gerhild von Müller

Psychologische Expertin in Printmedien, Hörfunk und TV seit 1996; 1996-1998 Präsidium BDP, 2000-2007 stellv. und Vorsitzende  der Landesgruppe NRW und des Landesfachverbandes VPP des BDP, Mitglied der Kammerversammlung der PsychotherapeutInnenkammer NRW

Gabriele Klaes-Rauch, Köln:
TV-Coaching  –  Heilung oder Missbrauch narzisstischer Wunden? Über Diskriminierung vor unser aller Augen per Zuschauerfernsehen (Vortrag)

Mittels sogenannter Casting-, Coaching- und Reality Shows offerieren private wie öffentliche Sendeanstalten immer mehr Möglichkeiten, das eigene Leben coram publico vorzuführen. Unter dem Geniestreich des sogenannten „Helptainments“ wird breiten Zuschauerkreisen scheinbar demokratisch die vermeintliche Chance geboten, einmal Gehör zu finden, wahrgenommen und von narzisstischen Wunden befreit zu werden, wenn sie sich dabei filmen lassen, wie sie sich materielle und psycho-soziale Notlagen von prominenten Fernsehhelfern abnehmen lassen, während die Betroffenen abverlangter Passivität und Verantwortungsabgabe huldigen.

So werden bei allgemeinem stillen Einvernehmen zum einen Zuschauer wie Laiendarsteller an Führung und „geführt“ werden gewöhnt, wie auf übergeordneter Ebene eine Bereitschaft zu Diktat und Verrat an den meist sogar eigenen Landsleuten genährt wird.

Anstelle vorgeblich authentischer Real-Live Dokus entsteht eine vorurteilsentsprechende, durch die Bedingungen der Abbildung und Unterhaltungsabsicht determinierte Abbildungsrealität. Eigenes wird dabei verausgabt und individuelle Realität in den Status eines spielähnlichen Als Ob versetzt. Zuschauer wie rekrutierte Darsteller werden entgegen allen Anscheins der eigenen Situation eher entrückt als sich näher gebracht, für ein paar Euros materiell wie psychisch als Versager, Verwahrloste und Dauerbedürftige inszeniert, und mit dem mit jeder Sendung untermauerten Präkariatsklischee als getrost aufgebbare Spezies diskriminiert.

Ob diesen gemeinhin kritikverschonten Geschehens intendiert der Vortrag, die Psycho- und Sozio-Logik dieses „Kulturproduktes“ aufzuspüren.

Anne M. Lang, Bonn:
Hypnosystemische Herangehensweise an narzisstische Zeitgeist-Phänomene (Vortrag)

1. Öffnen der Perspektivenvielfalt: Narzisstischer Ausdruck oder Chancen für Außenseiter oder Verheizung von Naiven oder Rekrutierung von Talenten oder Entdecken der zuvor Ungewollten oder wie …..?Was erfassen die jeweiligen Perspektiven vom Phänomen und was jeweils nicht?

2. Welche Systeme sind beteiligt: Als Psychologen und Psychotherapeuten haben wir weniger mit den „Medien-Kandidaten“ zu tun, eher mit welchen, die diese Sendung konsumieren.

Was also regt uns und unsere Klienten bei diesem Zeitphänomen auf oder an?

Welche Familiensysteme, Bezugssysteme, Kommunikationssysteme entstehen dadurch?

3. Was ist zu utilisieren: Wir könnten z.B.  diesen Shows interessante Übungen entlehnen: Mit welchem Talent würden Sie auftreten? Ein Auftritt, der ihnen besonders gelungen ist? Wir könnten darin ein Spiegel der Gesellschaft sehen und ableiten, was daran gut ist oder schlecht. Wir könnten die Auftretenden beraten. Wir könnten……usw.

4. Welche Suggestionen sind im Spiel:

Über Medien werden bildhaft -d.h. unbewusst besonders verankert- implizite Botschaften, Suggestionen, Fixierungen  vermittelt. Aufklärung und Abklärung darüber erweitert.

5. Wie prägt die Sprache und Kommunikation die Wirklichkeit: Welche Sprache und Kommunikation geht damit einher und wie prägt die wiederum unser Denken.

Im Workshop wollen wir diese verschiedenen Aspekte kritisch betrachten und weniger diagnostisch als vielmehr kreativ offen dieses Zeitgeistphänomen bzw. Medienphänomen betrachten. Da wir dabei relevante hypnosystemische Vorgehensweisen verwenden, vertiefen wir unsere hypnosystemische Methodik.

Anne M. Lang, Bonn:
Hypnosystemische Herangehensweise an narzisstische Zeitgeist-Phänomene (Workshop)

1. Öffnen der Perspektivenvielfalt.

2. Welche Systeme sind beteiligt?

3. Was ist zu utilisieren?

4. Welche Suggestionen sind im Spiel?

5. Wie prägt die Sprache und Kommunikation die Wirklichkeit?

Wir werden Workshop unter diesen relevanten hypnosystemischen Aspekten das Thema kritisch, weniger diagnostisch als vielmehr kreativ offen betrachten. In der Anwendung erlernen wir so auch hypnosystemische Methodik.

Profil: Dipl. Psych. Anne M. Lang, App. PP PTK NRW, Senior-Coach BDP, Leitungen der beiden Bonner Fachinstitute für Fort-/Weiterbildung: AML Institut Systeme/ DGSF, www.institut-systeme.de, Milton Erickson Institut Bonn / M.E.G, www. meg-hypnose-bonn.de, Lehrdozentin/Lehrsupervisorin der MEG, DPA für Hypnotherapie und Systemische Therapie.

Reiner Schwarz, Köln:
Psychologie des Ruhms (Vortrag)

Ruhm wird Suchtcharakter zugeschrieben. Die ruhmessüchtige Person will also immer mehr davon und ist nie zufrieden. Es liegt nahe, dass solche Menschen Leidensdruck haben und Psychotherapien aufsuchen. Entwicklungsgeschichtlich hat der kindliche Narzissmus Bedeutung, im Rahmen dessen wir den kleinen Prinzessinnen und Prinzen natürlicherweise zugestehen, die besten und tollsten zu sein und wir applaudieren milde lächelnd, der das kleine Mädchen eine große Schauspielerin werden will und der kleine Junge Weltraumfahrer. Die Kinder spielen, was die Sache harmlos macht und es fällt uns leicht, die gewünschte Bestätigung zu geben. Bei den Erwachsenen ist alles ernst. Wir erwarten von Ihnen, dass sie sich der Realität stellen und wenn die Diskrepanz zwischen dem, wer oder was sie sein wollen und der Realität zu groß ist, entsteht der Leidensdruck, der häufiger auch in der Psychotherapie zur Sprache kommt. Größenfantasien müssen verleugnet werden, da es sonst zu peinlich wird. Wir haben es also unter Umständen mit einem Menschen zu tun, der hoch hinaus will, das aber niemals zugibt und von uns verlangt, ihn aus diesem Dilemma herauszuführen. Viele ruhmsüchtige Narzissen möchten nicht über ihre Wünsche sprechen, sie wollen, dass sie wahr werden. Leichter ist es mit den Minderwertigkeitskomplexe, die regelmäßig als Spiegelbild der Ruhmessucht auftreten und über die besser gesprochen werden kann, da sie viel weniger peinlich sind. Denn hier ist man ein Opfer, das über sich selbst klagt. Meiner Erfahrung nach entsteht ein behandlungsbedürftiges Problem dann, wenn die Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen Größenfantasien und der realen Lebenssituation allzu groß wird. Wenn immerhin einiges im Leben geschafft werden kann, ist es meistens nicht so schlimm und im günstigsten Fall wirkt sich die narzisstische Ruhmessucht motivierend aus und am Ende kann über das hochgesteckte Ziel selbstironisch gelächelt werden. Das wären dann aber Personen, wie uns nicht brauchen, sie zeigen aber an, wohin man therapeutisch eventuell kommen müsste. Wirksam kann eine Psychotherapie der Ruhmessucht dann werden, wenn eine Haltung eingenommen werden kann, in der eine fragile Gratwanderung zwischen einer Bestätigung der Größenfantasien und der Verstärkung der Scham durch Hinweis auf die Realität eingehalten werden kann.

Reiner Schwarz, Köln:
Ruhmessüchtige in der Psychotherapie (Workshop)

Der Workshop soll auch mit Fallbeispielen des Referenten dazu dienen, praktische Behandlungsaspekte in der Psychotherapie mit narzisstischen Patienten zu diskutieren. Dabei gilt es, folgende Fragen zu klären:

1. Wird das Problem von den Teilnehmern als für ihre therapeutische Praxis relevant angesehen, und wenn ja, in welcher Weise. Gibt es Patienten, bei denen so etwas wie Ruhmessucht besteht oder berechtigterweise vermutet werden kann und wie wird das Problem von den Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen?

2. Wie sind die Erfahrungen der Teilnehmer im Umgang mit narzisstischen Größenfantasien. Zu einem gibt es natürlich die Kohut´sche Schule, wie im Narzissmus eine motivierende Kraft sieht und die uns empfiehlt, eine gewährende und in keinem Fall kränkende und beschämende Haltung einzunehmen. Andererseits können Patienten, die „dick auftragen“ und sich nach unserer Einschätzung weit von ihren realen Möglichkeiten entfernen, in der Gegenübertragung Zorn und Ablehnung provozieren, der es uns sehr schwer macht, eine gewährende Haltung in einer echten und authentischen Form aufrechtzuerhalten.

3. Wie kann die Funktion der Psychotherapie im allgemeinen so wie für diese Patientengruppe im speziellen betrachtet werden? Sind wir Begleiterinnen und Begleiter, die die gekränkten Seelen trösten und deren Empörung darüber, dass sie nicht das geworden sind, wofür sie sich für befähigt und geeignet oder berufen halten, bestätigen und gutheißen und somit die schlechte Welt als gemeinsamen Feind bestimmen? Oder sind wir Anwälte der Gesellschaft beziehungsweise der Realität, die die ruhmsüchtige Person heilen, also quasi „auf den Teppich bringen“ und damit an die Forderungen der Gesellschaft, der Familie oder der Ehepartner, anpassen?

Dr.med. Bertram von der Stein, Köln:
Knapp vorbei ist auch daneben oder die Kunst nicht berühmt worden zu sein ohne Suizid (Vortrag)

Bekanntermaßen klaffen Ideal-Ich und Real- Ich auseinander. Trotz beachtlicher Erfolge wird mit zunehmendem Alter diese Kluft deutlicher. Während in der Adoleszenz vor allem bei Menschen mir breiter Begabung das Allmachtsgefühl der Pluripotenz noch im scheinbar unbegrenzten Raum der Zukunft erhalten bleibt so ist gerade vor  dem Hintergrund der begrenzten Lebenszeit spätestens ab der sog. Lebensmitte diese Illusion zerstört, selbst wenn jemand überdurchschnittliche Erfolge aufzuweisen hat.

Die Krise in der sog. Lebensmitte oder im frühen Alter wird allzu oft nur vordergründig mit dem Klimakterium begründet, vielmehr ist es aber ein Zeitpunkt in dem die Kränkung der Endlichkeit bisherige narzisstische Plomben lockert.

Kernberg hat mehrfach auf die hohe Suizidalität erfolgreicher aber schwer narzisstisch gestörter Menschen im Alter hingewiesen.

Der geplante Vortrag behandelt anhand von Fallvignetten einer fünfzigjährigen, ehemals in einem Privatsender erfolgreichen Journalistin, einem gescheiterten Historiker und natürlich bei einem hochaltrigen Prominenten die o. g. Symptomatik.

Ebenso  wird auf bestimmte narzisstisch hoch besetzte Milieus hingewiesen, die mit Misserfolg und Scheitern destruktiv umgehen, bzw. in denen nur sehr gesunde Menschen mit wechselndem Erfolg überleben könnten.

Ferner werden therapeutische Wege aufgezeigt auch noch im späteren Lebensalter eine bis dahin  verdeckt und kompensiert gebliebene narzisstische Persönlichkeitsstörung  mit psychoanalytischen Mitteln zu behandeln.

Dr.med. Bertram von der Stein, Köln:
Analytische Gruppenpsychotherapie mit narzisstisch gestörten älteren Patienten (Workshop)

In Gruppentherapien mit Älteren sind narzisstische Motive, die sich vordergründig gegen jüngere Therapeuten richten oft lähmend und destruktiv. Im folgenden Seminar sollen derartige Gruppensequenzen vorgestellt werden und praktische Auswege aus einem von Suizidalität überschattetem erarbeitet werden. Ferner sollten Kriterien erarbeitet werden, bei welchen Patienten man besser Abstand von aufdeckenden Therapiemethoden im Alter nehmen sollte 

Dipl. Psych. Gerhild von Müller, Köln:
Wie viel Ruhm braucht der gemeine Psychotherapeut? Kollegialer Austausch zum Umgang mit unseren eigenen narzistischen Persönlichkeitsanteilen (fishbowl)

– Wenn man berühmt werden will, darf man keinen helfenden Beruf ergreifen! Stimmt das?

– Welche Fallen und Klippen stellt uns unser eigenes Bedürfnis nach Anerkennung und Gesehen-Werden? Was tue ich z.B. wenn Patienten mich „über den grünen Klee“ loben? Oder wenn sie mich – im Gegensatz dazu – in meiner beruflichen Kompetenz angreifen?

– Wie werden wir damit fertig, niemandem von unseren gelungenen Therapien erzählen zu dürfen? Wir arbeiten unter Schweigepflicht, dürfen unsere Therapie-Erfolge nicht öffentlich feiern.

– TherapeutIn für Prominente sein – was macht das mit uns? und der Therapie?

– Vertragen sich Therapieren und Berühmtsein miteinander? Gute und schlechte Erfahrungen mit berühmten TherapeutInnen.

Dr. Dr. Bernhard Wegener, Berlin:
Ruhm und Kritik (Workshop)

Erikson berichtet von einem Traum Freuds, in dem er  im Schlafzimmer  der Eltern urinierte, und der Vater sagte, aus dem wird nichts…   K. Horney  umschreibt kurz als „System des neurotischen Stolzes“ wie der Neurotiker sich selbst wünscht und träumt.

Der Ruhm ist brüchig, wie wir aus der Geschichte wissen. Der Ruhm  tritt in Verbindung primär des Krieges, der Künste, der bedeutenden Taten an das Licht, fragt von sich aus nicht nach der Moral, denn  es tritt in seinem Namen  die Heilige, der bedeutende Denker wie auch  der  grausame Verbrecher in die Öffentlichkeit.

In dem Workshop  werden sehr kurze Texte  auf einem Din-A-4-Blatt zur Einstimmung  gereicht. Vorgesehen ist eine gemeinsame Erarbeitung der heute bedeutenden Aspekte des Ruhms mit Bezug zum sozialen Leben und zur Psychotherapie.

Tagungsort: Somnia Privatklinik, Friedrich-Ebert-Str. 11a, 50354 Hürth, Tel. 02233 9723-0; www.somnia-kliniken.de

Tagungsbeitrag einschll. köstlichem Mittagessen und Pausengetränke und Veröffentlichung:

65,00 Euro Frühbucher bis 15.4.2012

80,00 Euro danach

zu zahlen per Überweisung auf das Konto der Gesellschaft für Allgemeine PSYCHOtherapie e.V.

Fortbildungspunkte: 8 Punkte von der  Ärztekammer Nordrhein beantragt

(wird von Psychotherapeutenkammer anerkannt)

Anmeldung: per Fax oder E-Mail mit Formular

Gesellschaft für Allgemeine PSYCHOtherapie e.V., Bonn-Sankt Augustin

Dr.med. Jürgen Junglas, Diplom-Psychologe, Vorsitzender
für den Vorstand: G. von Müller, R. Schwarz, Dr. Dr. B. Wegener, Dr. Dr. R. Arndt
Büro: Birlinghovener Str. 39c, D-53757 Sankt Augustin
Tel 022 41 33 60 61, Fax 02241 3970 571
E-Mail: admin@raptage.de

An das Tagungsbüro
Rheinische Allgemeine Psychotherapietage
c/o gap-ev.Büro Drs. Junglas
Birlinghovener Str. 39c
D-53757 Sankt Augustin
Per Fax 02241 3970571
Per E-Mail: admin@raptage.de

Verbindliche Anmeldung

Hiermit melde ich mich zur 18. Rheinischen Allgemeinen Psychotherapietagung
am 12.5.2012 in Hürth bei Köln an:

Bitte kreuzen Sie die gewünschte Teilnahmezeit an! (ganze Tagung oder Tageskarten)

Preise beinhalten Verpflegung (Kaffee etc., Mittagessen), Veröffentlichung, Bescheinigungen etc.

Auswahl

Tage (bitte ankreuzen)

Preis bis 15.4.2012

später

Ganze Tagung

Samstag 12.5.2012

65,00 €

80,00 €

Zu zahlen!; bitte überweisen an u.g. Konto:

Ich präferiere folgende Workshops (bitte ankreuzen:

11:15 – 12:45 h

13:45 – 15:15 h

Workshops 1 – 3

Workshops 4 – 6

¨ Schwarz: Ruhmessüchtige¨ von der Stein: Gruppenpsychotherapie¨ Lang: Hypnosystemisch ¨ Arndt: Identitätsentwicklung¨ Wegener: Ruhm und Kritik¨ Jagow, von Müller: Casting ExpertInnen

¨  Ich habe den Teilnehmerbeitrag auf das Konto

der Gesellschaft für Allgemeine Psychotherapie  e.V., Bonn,

Nr. 11704301 bei der Sparkasse KölnBonn (BLZ 370 501 98) überwiesen.

Name, Vorname:
Titel, Beruf:
Postleitzahl, Ort:
Straße, Hausnummer:
Tel:                                                   E-Mail:
Datum :Unterschrift:

Band 8: Jürgen Junglas (Hrsg.)
Kranke Körper zum Seelentherapeut! Körperlich Kranke in Psychotherapie, Psychosomatik und Psychiatrie
2011, Deutscher Psychologen Verlag GmbH, Berlin; ISBN 978-3-942761-02-4
17,80 €  –> bestellen

Band 7: Jürgen Junglas (Hrsg.)
Lieben oder Verwahrlosen?
2009, Deutscher Psychologen Verlag GmbH, Berlin; ISBN 978-3-931589-92-9, 220 Seiten, 19,80 €  –> bestellen!

Band 6: Jürgen Junglas (Hrsg.)
Kultur der Therapie der Kulturen. Psychotherapie und Psychiatrie mit Migrationshintergrund
2008, Deutscher Psychologen Verlag GmbH, Bonn; ISBN 978-3-931589-87-5, 237 Seiten, 22,80 € –> bestellen!

Band 5: Jürgen Junglas (Hrsg.)
Tödliche Gedanken. Prävention und Therapie der Suizidalität.
2007, Deutscher Psychologen Verlag GmbH, Bonn; ISBN 978-3-931589-82-0, 247 Seiten, 22,80 € –> bestellen

Band 4: Jürgen Junglas (Hrsg.)
Traumaorientierte Psychotherapie und Psychiatrie. Nach den Tsunamis des Lebens.
2006, Deutscher Psychologen Verlag GmbH, Bonn; ISBN 3-931589-77-3, 143 Seiten, 16,80 €; –> bestellen!

Band 3: Jürgen Junglas (Hrsg.)
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